Bedeutung der Salmonellen als Krankheitserreger

Die Bakterien der Gattung Salmonella sind in der Natur weit verbreitet, sie werden bei vielen kalt- und warmblütigen Tieren in allen Erdteilen nachgewiesen. Sie sind heute in vielen Ländern der Welt die wichtigsten bakteriellen Durchfallerreger bei Menschen. Da sie meist von Tieren, besonders durch das Essen tierischer Lebensmittel, auf Menschen übertragen werden, zählen Salmonellen zu den Zoonosen ("Zoonose" ist der wissenschaftliche Begriff für alle Krankheiten, die durch Erreger vom Tier auf den Menschen übertragen werden können).

In Deutschland tritt die Salmonellose endemisch auf und gehört neben den akuten Atemwegserkrankungen zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. Der Anteil der gemeldeten Krankheitsfälle wird jedoch nur auf 10 bis 20 % der tatsächlichen Erkrankungen geschätzt. In den letzten Jahren konnten 90 % der lebensmittelbedingten Infektionen auf Salmonellen zurückgeführt werden. Besonders begünstigt wird die Verbreitung der Salmonellen durch eine mangelhafte Kühlung von Lebensmitteln. Dadurch kann speziell im Sommer durch rapide Vermehrung der Bakterien in Lebensmitteln rasch eine kritische Infektionsdosis erreicht werden: Die Infektionsdosis gibt an, ab welcher Erregermenge eine Erkrankung möglich wird. Weiterhin ist die individuelle Empfindlichkeit des Konsumenten entscheidend für die Höhe der Infektionsdosis. Die Form der Tierhaltung, die Schlachtung und Vermarktung haben Einfluss auf das Vorkommen von Salmonellen. Ebenso tragen die Globalisierung des Handels und der Tourismus zu ihrer Verbreitung bei. Die hohe Anpassungsfähigkeit der Salmonellen an verschiedene Milieubedingungen, ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber schädigenden Einflüssen und ihre hohe Vermehrungsrate haben insgesamt dazu beigetragen, dass Salmonellenerkrankungen an erster Stelle der durch Lebensmittel übertragenen Krankheiten stehen.

Die meisten der 2400 Serovare können bei Menschen und allen Tierarten vorkommen. Einige Serovare, wie Salmonella Typhi (S. Typhi, der Erreger des Typhus), Salmonella Paratyphi (S. Paratyphi, der Erreger des Paratyphus), aber auch S. Gallinarum und S. Dublin sind wirtsspezifisch und typischerweise nur bei Menschen bzw. Hühnern und Rindern zu finden.

Verlaufsformen

Bei der Salmonellen-Erkrankung des Menschen werden - in Abhängigkeit von der Infektionsdosis und dem klinischen Bild - im wesentlichen zwei Verlaufsformen unterschieden :

Die typhöse Form:
Die typhöse Form (Typhus und typhusähnliche Erkrankungen) wird vorwiegend durch die Serovare S. Typhi, S. Paratyphi A, B und C ausgelöst. Die Übertragung kann von Mensch zu Mensch erfolgen. Die Erreger werden mit dem Mund aufgenommen und über das Blut verbreitet. Die Infektionsdosis ist gering und nach kurzer Inkubationszeit (wenige Tage bis 3 Wochen) kommt es zu einer schweren, zyklisch verlaufenden Allgemeininfektion mit Durchfall, hohem Fieber und es kann zu Organschäden an Darm, Herz, Leber, Niere und Galle kommen. Speziell bei Patienten mit Gallensteinen können die Erreger über lange Zeiträume ausgeschieden werden.

Die enteritische Verlaufsform:
Die meisten anderen Salmonella-Serovare lösen beim Menschen die sogenannte enteritische Verlaufsform aus (Enteritis ="Darm-Entzündung"). Die minimale Infektionsdosis ist, je nach Gesundheitszustand der Betroffenen, deutlich höher als bei der typhosen Form, die Inkubationszeit bis zum Auftreten der Krankheitssymptome kürzer (1-3, evtl. 5 Tage). Durch Entzündung der Darmschleimhaut tritt Durchfall, gelegentlich mäßiges Fieber auf, Krankheitszeichen können aber auch völlig fehlen. Bei Tieren verläuft die Infektion mit diesen Erregern oft ohne Symptome. Dauerausscheidung über viele Jahre ist möglich.

Auf Grund der hohen Anzahl der Erkrankungsfälle bei Menschen zählen Salmonellose zu den wichtigsten meldepflichtigen Krankheiten. Zur Abklärung epidemiologischer Fragen spielen die Bestimmung der Resistenz gegen Antibiotika, die Typisierung mittels spezieller Phagen und molekularbiologische Methoden eine wichtige Rolle.

Merkmale

Salmonellen sind gram-negative gerade, stäbchenförmige Bakterien (Abbildung 1 links, elektronenmikroskopische Darstellung einer Salmonellen Zelle mit Geißel, Fimbrien und Pili; der Strich repräsentiert ein tausendstel Millimeter ). Ihre ringsum auf der Außenhülle angeordneten Geißeln ermöglichen lebhafte Bewegungen. Außerdem können sie Fimbrien tragen. Diese ermöglichen die Anheftung an die Darmwand des Wirtes. Einige Stämme weisen zusätzlich sogenannte Pili auf. Sie dienen zur Übertragung genetischen Materials (DNS) bei resistenten Stämmen.

Salmonella

Durch biochemische und serologische Untersuchungen lassen sich die zwei Arten (Spezies) Salmonella enterica (S.enterica) und Salmonella bongori (S.bongori) differenzieren. S. enterica wiederum weist sechs Unterarten (Subspezies) auf. Salmonella-Isolate können nach dem Kauffmann-White Schema mittels "Objektträgeragglutination" (Abbildung 2 rechts, Objektträgeragglutination von Salmonellen; Antiserum wird mit einer Bakteriensuspension auf einem Objektträger vermischt. Links positive Reaktion (Verklumpung der Bakterien) Rechts negative Reaktion (Homogene Trübung) ) einem der mehr als 2400 Serovare (Stämme mit gleichen Antigenen) zugeordnet werden.

Die Wachstumsansprüche der Salmonellen sind, verglichen mit anderen Bakterien, gering. Sie wachsen auf einfachen Nährmedien, ihr Temperaturoptimum liegt bei 37°C. Zur besseren Diagnostik wurde für Salmonellen eine Reihe von Spezialnährmedien entwickelt, die spezifische biochemische Eigenschaften der Salmonellen ausnutzen und anzeigen. Schon nach 18 bis 24 Stunden Bebrütung sind typische, 1-2 mm große, runde, leicht gewölbte, glänzende Kolonien sichtbar.


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