Europäische und internationale Zusammenarbeit

Die Lebensmittel-, Produkt- und Chemikaliensicherheit in der Europäischen Union ist ein immer bedeutenderes Ziel einer rasch zunehmenden und wachsenden Globalisierung der Weltwirtschaft. Das Angebot an Lebensmitteln und verbrauchernahen Produkten in Europa steigt stetig, und damit steigen auch die Anforderungen an die europäischen Staaten und die Europäische Union, Risiken im Bereich von Lebensmitteln, Produkten und Chemikalien wissenschaftlich zu bewerten, zu minimieren und effektiv zu kommunizieren.

Im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit kooperiert das BfR eng mit der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority). Das BfR koordiniert als zentrale deutsche Kontaktstelle („EFSA Focal Point“) den wissenschaftlichen Informationsaustausch zwischen der EFSA und den in Deutschland zuständigen Behörden sowie den Beteiligten aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verbraucherverbänden.

Das BfR kooperiert mit zahlreichen nationalen und europäischen Schwesterbehörden im Bereich des gesundheitlichen Verbraucherschutzes. Der Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet der Risikobewertung. So entsteht ein Netzwerk aus Behörden und Institutionen im Bereich der Lebensmittelsicherheit, Produkt- und Futtermittelsicherheit, welches die nationale und die europäische Ebene, aber auch die Institutionen der Mitgliedstaaten untereinander verknüpft. Im Dezember 2010 unterzeichnete das BfR beispielsweise einen Kooperationsvertrag mit der französischen Lebensmittelbehörde Agence nationale de sécurité sanitaire de l’alimentation, de l’environnement et du travail (ANSES) und dem Lebensmittelinstitut der dänischen Technischen Universität (DTU). (Pressemitteilung Kooperation ANSES / DTU).

In unserer globalisierten Welt unterhält das BfR zudem auch gute bilaterale Beziehungen und Kooperationsabkommen mit Lebensmittelbehörden in zahlreichen anderen Staaten, denn Lebensmittelkrisen machen vor Ländergrenzen keinen Halt. Daher sind ein intensiver wissenschaftlicher Austausch und eine Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen außerhalb der Europäischen Union von großer Bedeutung. Gerade vor dem Hintergrund des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und der Republik Korea gewinnt der wissenschaftliche Austausch mit Korea zunehmend an Bedeutung. Kooperationsverträge wurden daher mit Institutionen in der Republik Korea, wie beispielsweise mit dem National Institute of Food & Drug Safety und in China mit der Chinese Academy of Inspection and Quarantine (CAIQ) sowie mit der General Administration of Quality Supervision, Inspection and Quarantine (AQSIQ) abgeschlossen.

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Zusammenarbeit auf europäischer Ebene

  • Europäische Kommission, Brüssel: Auf EU-Ebene sind Risikobewertung und Risikokommunikation vom Risikomanagement institutionell getrennt. Während Risikobewertungen von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) durchgeführt werden, befasst sich die Europäische Kommission mit dem Risikomanagement. Die Kommission koordiniert auch das Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF). Informationen im Schnellwarnsystem RASFF werden regelmäßig zwischen den EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission im Hinblick auf risikobehaftete Lebens- und Futtermittel ausgetauscht. (Lebensmittelsicherheit in der EU (PDF-Datei, 4,10 MB))
  • Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority - EFSA), Parma: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit der Grundpfeiler der Risikobewertung der Europäischen Union. In enger Zusammenarbeit mit nationalen Behörden erstellt die EFSA unabhängige wissenschaftliche Risikobewertungen, die der Europäischen Kommission als Grundlage für Gesetzesentwürfe und Risikomanagement dienen.
  • European Centre „Validation of Alternative Methods (ECVAM), Institut für Health and Consumer Protection (IHCP): Das European Centre „Validation of Alternative Methods (ECVAM)“ ist einer von fünf Bereichen des europäischen Instituts für Health and Consumer Protection (IHCP) in Ispra, Italien. ECVAM ist in Europa für die Validierung und Entwicklung von Alternativmethoden im Sinne der drei R (Replacement, Reduction, Refinement) verantwortlich. ECVAM wird beraten vom Scientific Advisory Committee (ESAC), das sich aus Vertretern der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zusammensetzt.
  • European College of Veterinary Public Health (ECVPH): Das ECVPH, gegründet 2001, bietet Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen die Möglichkeit einer Spezialisierung auf den Gebieten der Populationsmedizin, Epidemiologie oder Lebensmittelsicherheit und verfolgt einen interdisziplinären Ansatz. Ein Beispiel ist die Bekämpfung von Tierseuchen und Zoonosen. Hier werden die Kandidaten und Kandidatinnen zu Veterinary Public Health Experten, den sogenannten Diplomaten, ausgebildet und ernannt.

Nationale Schwesterinstitute im Bereich Lebensmittel- und Chemikaliensicherheit

Die Lebensmittelsicherheit in der Europäischen Union ist ein wichtiges Ziel vor dem Hintergrund einer rasch zunehmenden Globalisierung der Weltwirtschaft. Das BfR unterhält daher Kontakte zu allen 27 Mitgliedsstaaten der EU im Bereich der Lebensmittelsicherheit und Chemikaliensicherheit. Daneben gibt es mit verschiedenen Einrichtungen in den Mitgliedsstaaten besondere weiterführende Kooperationen auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Risikobewertung von Lebensmitteln und Futtermitteln.

DTU in Dänemark

Im Dezember 2010 haben das BfR und das Lebensmittelinstitut der dänischen technischen Universität (DTU) einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Das BfR und das dänische DTU haben ähnliche Aufgaben und verfolgen vergleichbare Konzepte der wissenschaftlichen Risikobewertung. Die Kooperation mit DTU (und ANSES) sieht gemeinsame Projekte zwischen Laboren, Forschungseinrichtungen und der Experten der drei Länder vor, die frühzeitige, gegenseitige Information über geplante wissenschaftliche Stellungnahmen – zur Vermeidung von Doppelarbeit – und über die strategische Jahresvorschau.

ANSES in Frankreich

m Dezember 2010 haben das BfR und die französische Agence nationale de sécurité sanitaire de l’alimmentation, de l’environment et du travail (ANSES) eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. Die ANSES wurde im Juli 2010 durch die Fusionierung zweier französischer Behörden, der Lebensmittelsicherheitsbehörde (AFSSA) und der französischen Umweltbehörde-AFSSET gegründet. Die Kooperationsvereinbarung zwischen BfR, DTU und ANSES ermöglicht eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Risikobewertung und vereint Sachverstand aus den Gebieten Risikobewertung, Kommunikation und Forschung sowie der Qualitätssicherung bei der wissenschaftsbasierten Risikokommunikation.

NMVRVl  in Litauen

Als zuständige Fachbehörde, die dem staatlichen Lebensmittel- und Veterinärdienst (VMVT) nachgeordnet ist, ist das Litauische Institut für Lebensmittel und Veterinärmedizinische Risikobewertung (NMVRVI) zuständig für wissenschaftsbasierte Risikobewertungen, die Identifizierung neuer gesundheitlicher Risiken und für die Empfehlungen zur Risikoreduzierung. Gegründet wurde das NMVRVI im Rahmen der Arbeit des deutsch-litauischen Twinning-Projektes „Verbesserung der Kontrollen von bakteriellen Zoonosen und viralen Erkrankungen von Hausgeflügel“. (Link zu Twinning). Im Oktober 2008 schloss das BfR einen Kooperationsvertrag mit dem NMVRVT.

AGES in Österreich

Das BfR hat im Dezember 2006 einen Kooperationsvertrag mit der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) geschlossen. In den Aufgabenbereich der AGES gehören Lebens- und Futtermittelsicherheit, neuartige Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, GVO, Zoonosen, Mineralwässer und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln sowie von Tierarzneimitteln. Zentrale Punkte der Kooperation sind der Austausch von wissenschaftlichen Informationen zur Risikobewertung, die Zusammenarbeit im Rahmen der Nationalen Referenzlaboratorien, die Durchführung von gemeinsamen Forschungsprojekten und Fachveranstaltungen sowie der Austausch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur gegenseitigen Wissensvermittlung. (Artikel zur Kooperationsvereinbarung)

SGL in Zypern

Das allgemeine staatliche Labor (SGL) des zyprischen Gesundheitsministeriums bewertet die Risiken einiger Kontaminanten und anderer giftiger Chemikalien und berät die zyprische Regierung zu Fragen der Lebensmittelsicherheit und der Risikobewertung. Eine Kooperationsvereinbarung zwischen SGL und BfR wurde im Mai 2010 unterzeichnet. (Artikel zur Kooperationsvereinbarung).

Einen Überblick über die jeweils zuständigen staatlichen Behörden und die Strukturen der Lebens- und Futtermittelsicherheit in der Europäischen Union gibt der EU-Almanach (PDF-Datei, 4,10 MB). 

 

Internationale Zusammenarbeit

Ausreichende Kenntnisse über und ein Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Institutionen der Lebensmittelsicherheit – global, europäisch und national – sind für den Verbraucherschutz in den letzten Jahren immer bedeutender geworden. 

Auf globaler Ebene arbeiten Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), die den Codex Alimentarius herausgeben, und die Internationale Organisation für Standardisierung (ISO).

  • Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO)
  • Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization, FAO)
  • Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development, OECD)
  • Europäisches Komitee für Normierung (Comité Européen de Normalisation, CEN)
  • Weltorganisation für Tiergesundheit (Office International des Epizooties, OIE)
  • Internationales Programm für Chemikaliensicherheit (IPCS)  
  • Internationale Organisation für Rebe und Wein (Organisation Internationale de la Vigne et du Vin, OIV)

Die internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV), die im April 2001 geschaffen wurde, tritt an die Stelle des internationalen Amtes für Rebe und Wein. Professor Wittkowski, Vizepräsident des BfR, wurde 2003 zum Präsidenten der OIV gewählt und bekleidete dieses Amt bis 2006. Von 2006 bis 2009 war er erster Vizepräsident der OIV. Im Juli 2009 wurde er zum Ehrenpräsidenten der OIV ernannt. (siehe Pressemeldung BfR-Vizepräsident zum Ehrenpräsidenten der OIV ernannt)

Russland

Das BfR unterstützt gemeinsam mit dem Land Brandenburg die russische Modernisierung auf dem Gebiet der Lebensmittel- und Produktsicherheit. Es geht insbesondere darum, die russischen Überwachungsbehörden methodisch und organisatorisch dem Standard in der Europäischen Union anzupassen und für den europäischen Markt fit zu machen. (siehe Pressemeldung „Deutsch-russischer Dialog zu internationalen Standards der Lebensmittelsicherheit“).

Im Juni 2009 unterzeichnete das BfR einen Kooperationsvertrag mit den russischen Schwesterbehörden für Hygiene und Epidemiologie sowie für Ernährung. (Artikel zur Kooperationsvereinbarung)

 

Twinning-Projekte:Behördenpartnerschaften über Grenzen hinweg

Twinning ist ein von der EU finanziertes Instrument zur Förderung von Partnerschaften zwischen Behörden aus den EU-Mitgliedstaaten und öffentlichen Verwaltungen in Beitrittskandidaten sowie für potentielle Beitrittskandidatenstaaten und Länder der europäischen Nachbarschaft.

Ziel von Twinning-Projekten ist immer der Aufbau von öffentlichen Strukturen im Einklang mit europäischer Verwaltungspraxis. Im Rahmen von Twinningprojekten werden Experten aus den Behörden des Bundes und der Länder für bis zu zwei Jahre in Partnerländer entsandt, um gemeinsam mit deren Fachleuten Projekte wie den Aufbau einer Behörde oder die Vorbereitung eines Gesetzes durchzuführen.

Das BfR hat sich in den letzten Jahren an mehreren Twinningprojekten erfolgreich beteiligt und für Projekte, bei denen der Aufbau eines Instituts für Risikobewertung im Bereich Lebensmittelsicherheit im Mittelpunkt stand, die Koordination übernommen. Durch intensive Einsätze im Land des Twinningpartners werden die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen geschult und bei der Implementierung der EU-Regularien unterstützt (Liste der Twinning-Projekte).




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