Fragen und Antworten zu perfluorierten und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS)

FAQ des BfR vom 5. November 2019

Perfluorierte und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind Industriechemikalien, die aufgrund ihrer besonderen technischen Eigenschaften in zahlreichen industriellen Prozessen und Verbraucherprodukten eingesetzt werden. Die Stoffgruppe umfasst mindestens 4000 verschiedene Verbindungen. Im Tierversuch wirken einige von ihnen leberschädigend, reproduktionstoxisch und vermutlich krebserzeugend.

In der Untergruppe der Perfluouralkylsubstanzen sind die Verbindungen Perfluoroktansäure (PFOA) und Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) am besten untersucht. Wie alle PFAS sind auch diese beiden Verbindungen in der Umwelt schwer abbaubar und mittlerweile überall nachweisbar - in der Umwelt, in der Nahrungskette und im Menschen. Im Jahr 2018 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Neubewertung der gesundheitlichen Risiken durch PFOA und PFOS in Lebensmitteln veröffentlicht.

Bei der Neubewertung hat sich die EFSA erstmals primär auf die Daten von Studien bezogen, bei denen Zusammenhänge zwischen der Höhe der PFOS/PFOA-Gehalte im Blut und Veränderungen biologischer Parameter beobachtet wurden, die möglicherweise langfristig zu einem stärkeren Auftreten bestimmter Erkrankungen in der Bevölkerung führen können.

Die Verwendung von PFOS ist bereits seit 2006 stark eingeschränkt. Für PFOA ist ein weitgehendes Verwendungsverbot ab dem Jahr 2020 vorgesehen. Dann wird es u. a. verboten sein, Erzeugnisse, die PFOA, deren Salze und Vorläuferverbindungen oberhalb eines bestimmten Grenzwertes enthalten, herzustellen und in den Verkehr zu bringen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat Fragen und Antworten zum Thema PFAS zusammengestellt.

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Was sind PFAS, PFOA und PFOS?

PFAS

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind industriell hergestellte Stoffe, die nicht natürlicherweise vorkommen. Es sind organische Verbindungen, bei denen die am Kohlenstoff gebundenen Wasserstoffatome vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt sind. Die Stoffgruppe umfasst insgesamt mindestens 4000 verschiedene Verbindungen.

PFOA, PFOS

Die verschiedenen PFAS unterscheiden sich in der Länge ihrer Kohlenstoffketten und den im Molekül vorhandenen funktionellen Gruppen. Die langkettigen Verbindungen Perfluoroktansäure (PFOA) und Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) sind am besten untersucht. Sie gehören (zusammen mit anderen verwandten Verbindungen) zur sogenannten „C8-Fluorchemie“. Mittlerweile verwendet die Industrie als Alternative zu PFOS und PFOA auch andere Verbindungen. Hierzu gehören PFAS mit kürzeren perfluorierten Kohlenstoffketten. Außerdem sind zahlreiche sogenannte Vorläuferstoffe, zum Beispiel durch Ether-Bindungen unterbrochene PFAS, im Einsatz. Ein Teil der längerkettigen Vorläuferstoffe kann in der Umwelt wiederum zu PFOA oder PFOS umgewandelt werden.

Stehen die Abkürzungen „PFT“ oder „PFC“ ebenfalls für die Stoffgruppe der „PFAS“?

Neben der Bezeichnung „PFAS“ werden häufig auch die Begriffe „Perfluortenside (PFT)“ und „Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC)“ verwendet. Beide Begriffe umfassen jedoch nur einen Teil der PFAS und nicht die gesamte Stoffgruppe, auch wenn sie in der Öffentlichkeit hierfür verwendet werden. Die Abkürzung „PFC“ kann zudem missverstanden werden, da sie bereits auch für die Gruppe der Perfluorcarbone, verwendet wird.

Welche Produkte enthalten PFAS, PFOA und PFOS?

Die Industriechemikalien der PFAS-Gruppe wie PFOS und PFOA wurden seit Mitte des 20. Jahrhunderts aufgrund ihrer besonderen technischen Eigenschaften in zahlreichen industriellen Prozessen, technischen Anwendungen und in bestimmten Verbraucherprodukten eingesetzt. Darüber hinaus können diese Verbindungen als Verunreinigung oder nicht beabsichtigtes Nebenprodukt in Verbraucherprodukten vorkommen.

PFOA

PFOA wird z. B. als Emulgator (Hilfsstoff, um zwei nicht mischbare Stoffe zu vermengen) bei der Herstellung von bestimmten synthetischen Stoffen verwendet und kommt daher in verschiedenen industriellen Zwischenprodukten vor. Im Fertigprodukt können Restgehalte von PFOA z. B. in Membranen (z. B. aus „PTFE“) in atmungsaktiver Bekleidung oder in der Antihaftbeschichtung von Lebensmittelkontaktmaterialien (bspw. Pfannen) enthalten sein. In wasser-, öl- und schmutzabweisenden Beschichtungen von Textilien (z. B. für Outdoor- und Arbeitsschutzbekleidung, Polstermöbel) können Restgehalte von PFOA als nicht beabsichtigtes Nebenprodukt oder als Verunreinigung vorkommen. Daneben gibt es mehrere technischen Verwendungen von PFOA und seinen Vorläufersubstanzen (z. B. in Feuerlöschschäumen).

PFOS

Vor 2006 wurde PFOS für bestimmte Feuerlöschschäume u. a. an Flughäfen eingesetzt. Darüber hinaus sind PFOS-verwandte Verbindungen verwendet worden, um beispielsweise Polsterungen, Teppiche, Pizzakartons, Backpapier und andere Papiere mit Lebensmittelkontakt schmutz-, fett- und wasserabweisend zu beschichten. Des Weiteren wurde PFOS auch in Skiwachsen und Imprägniersprays verwendet. Im Jahr 2006 hat die EU-Kommission den Einsatz von PFOS stark eingeschränkt. Für Textilien gilt beispielsweise ein Grenzwert von einem Mikrogramm (µg) pro m2. Heutzutage ist der Stoff nur noch in Spezialanwendungen u. a. in der Galvanik und der Raumfahrt erlaubt.

Wie gelangen PFAS in die Umwelt und die Nahrung?

In PFAS liegen starke und stabile chemische Bindungen vor, und zwar vor allem zwischen den Kohlenstoff- und Fluoratomen. Daher können sie durch natürliche Abbaumechanismen wie Sonneneinstrahlung, Mikroorganismen und andere Prozesse kaum gespalten werden.  Dies führt dazu, dass PFAS in der Umwelt sehr stabil (persistent) sind, wenn sie einmal eingetragen wurden. Über die Atmosphäre werden einige PFAS bis in entlegene Gebiete transportiert. PFAS sind dadurch weltweit in Gewässern, Böden, Pflanzen und Tieren nachweisbar und können damit auch in die Nahrungskette eingetragen werden.

PFAS können bei der industriellen Herstellung oder Verwendung, aber auch bei der Abfall- und Abwasserentsorgung in die Umwelt freigesetzt werden. Auch Produkte, die mit Fluorverbindungen, wie z. B. fluorierten Polymeren, ausgerüstet sind und die PFAS als Verunreinigung, Rückstand oder Abbauprodukt enthalten, können in geringem Maße zum Umwelteintrag beitragen. Eine Quelle sind auch Abwässer von Flughäfen, wenn dort PFAS-haltige Feuerlöschschäume eingesetzt wurden. Ein weiterer Eintrag erfolgt über PFAS-haltige Abfälle aus der Industrie, zum Beispiel in Fällen, bei denen diese in Kompostieranlagen verbracht und dieser Kompost anschließend auf Feldern ausgebracht wurde. Von den Feldern können die PFAS dann bei Regenfällen ausgewaschen werden und in das Grundwasser und in Oberflächengewässer gelangen.

Werden PFAS auch im Menschen nachgewiesen?

Die Verbindungen werden weltweit im Rahmen von Untersuchungen im humanen Blut und in der Muttermilch nachgewiesen. Diese sogenannte „interne Exposition“ variiert je nach Verbindung.

Für PFOA liegen laut einer Publikation des Umweltbundesamtes (UBA) aus dem Jahr 2009 die Gehalte im Blutplasma bei dem größten Teil der Bevölkerung in Deutschland (95. Perzentil) unter 10 Mikrogramm (µg) pro Liter:

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/pdfs/ref_werte_pfoa_pfos_plasma_2009.pdf

Für PFOS wurden in dieser Publikation (2009) Gehalte im Blutplasma von unter 10 µg (Kinder unter 10 Jahre) bis 20 µg (Frauen) bzw. 25 µg (Männer) je Liter (Referenzwerte der Bevölkerung in Deutschland in Untersuchungen der Jahre 2003 bis 2007) genannt.

Kürzlich wurden für Kinder im Alter von 3-17 Jahren basierend auf aktuellen Daten zu Gehalten im Blutplasma niedrigere Referenzwerte von 3 µg pro Liter für PFOA und 5 µg pro Liter für PFOS abgeleitet.

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/4031/dokumente/tab._referenzwerte_-_pfoa_pfos_30._september_2019_aktualisiert.pdf

Es ist davon auszugehen, dass auch für die erwachsene Allgemeinbevölkerung ein Trend zu abnehmenden Gehalten an PFOA im Blutplasma besteht. Aktuelle, repräsentative Daten liegen für diese Bevölkerungsgruppe in Deutschland jedoch derzeit nicht vor.

Messungen der Gehalte an PFOS und PFOA im Blut der Allgemeinbevölkerung in Deutschland weisen tatsächlich auf einen Trend zu ab-nehmenden Gehalten seit 2009 hin.

So legt eine aktuelle Untersuchung zu PFOS- und PFOA-Gehalten im Blut an 158 Personen aus München nahe, dass die Gehalte in den vergangenen Jahren weiter abgenommen haben. Diese Untersuchung ist allerdings nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung Deutschlands. Vorliegende Daten deuten darauf hin, dass in bestimmten Regionen Deutschlands, sogenannten Hot-Spots, höhere Gehalte an PFOS und PFOA in der Umwelt und damit auch bezüglich der Exposition des Menschen zu verzeichnen sind.

Über welche Quellen nehmen Verbraucherinnen und Verbraucher PFAS auf?

Die Substanzen werden hauptsächlich über Lebensmittel und das Trinkwasser aufgenommen. Weitere Quellen sind die Außen- und Innenraumluft, Hausstaub und der Kontakt mit Verbraucherprodukten, die PFAS-haltige Chemikalien enthalten. Aktuelle Publikationen zeigen, dass auch aus weiteren PFAS, wie den sogenannten Vorläuferverbindungen, teilweise Verbindungen wie PFOA und PFOS entstehen können, die Verbraucherinnen und Verbraucher dann aufnehmen.

Über welche Lebensmittel nehmen Verbraucherinnen und Verbraucher PFAS auf?

PFAS sind sowohl in pflanzlichen als auch in tierischen Lebensmitteln nachweisbar. Verbraucherinnen und Verbraucher nehmen über unterschiedliche Lebensmittelgruppen PFAS auf: Relevant sind Trinkwasser, Fisch und Meeresfrüchte. Weitere tierische Produkte, insbesondere Innereien, aber auch Milch und Milchprodukte sowie pflanzliche Lebensmittel können messbare Gehalte an PFAS aufweisen. Im Vergleich zu Fleisch werden in Innereien höhere Gehalte an PFAS nachgewiesen. Da aber Innereien in Deutschland verhältnismäßig selten verzehrt werden, spielt die Aufnahme von PFAS über diese Lebensmittel für die Gesamtaufnahme gegenüber PFAS eine untergeordnete Rolle.

Daten zu Gehalten an PFAS in Lebensmitteln werden für Deutschland im Rahmen des Lebensmittelüberwachungsprogramms der Bundesländer erhoben. In den meisten von den Landesbehörden untersuchten Lebensmittelproben wurden mit den derzeitig verwendeten Analysemethoden keine PFAS nachgewiesen. Die wenigen positiven Proben bei Wildpilzen, Fisch, Fleisch/Innereien, Milch/Milchprodukten und Hühnereiern zeichneten sich in der Regel durch niedrige Gehalte aus.

Gibt es einen Höchstgehalt für PFAS in Lebensmitteln?

Es gibt bisher keine gesetzlich festgelegten Höchstgehalte für PFAS in Lebensmitteln. Für PFOS und PFOA ein Trinkwasserleitwert Leitwert von 0,1 Mikrogramm (µg) pro Liter festgelegt.

Wie hoch ist die Aufnahme von PFOA und PFOS bei Verbraucherinnen und Verbrauchern über Lebensmittel?

Die Datenbasis zu Gehalten an PFOS und PFOA in Lebensmitteln wurde in der aktuellen Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Vergleich zu der Datenbasis, die früheren Expositionsschätzungen zugrunde lag, vergrößert. Die Daten aus Deutschland stammen aus dem Lebensmittelüberwachungsprogramm der Bundesländer. Hervorzuheben ist, dass die Gehalte in dem überwiegenden Teil der Lebensmittelproben mit den derzeitig verwendeten Analysemethoden unterhalb der Nachweisgrenzen lagen. Es bestehen daher weiterhin Unsicherheiten, was die Gehalte in Lebensmitteln betrifft. Für die Lebensmittelüberwachung sollten daher empfindlichere Analysemethoden für PFOS und PFOA entwickelt werden.

Die Berechnung der EFSA aus dem Jahr 2018 für die wöchentliche Gesamtaufnahme von PFOA und PFOS in der erwachsene Bevölkerung in Europa beläuft sich auf bis zu 14 Nanogramm (ng) PFOS und 5 ng PFOA pro Kilogramm (kg) Körpergewicht. Die Aufnahme bei Säuglingen, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen kann deutlich höher sein.

Welche gesundheitsschädlichen Eigenschaften haben PFAS?

Verbraucherinnen und Verbraucher nehmen täglich nur geringe Mengen an PFAS auf. Bei der Bewertung gesundheitlicher Risiken für den Menschen steht die langfristigen Aufnahme und Anreicherung im Vordergrund. Entscheidend für das gesundheitliche Risiko ist, wie hoch der langfristige Gehalt an PFAS im Körper ist. Anhand der messbaren Gehalte an PFAS im Blut lässt sich die langfristige Aufnahme bestimmen.

PFOA, PFOS

Aus Tierversuchen ist bekannt, dass die Verbindungen PFOA und PFOS die Leber schädigen sowie entwicklungstoxisch und vermutlich krebserzeugend wirken. Sie verändern jedoch nicht das Erbgut, so dass für die krebserzeugende Wirkung davon auszugehen ist, dass Aufnahmemengen ohne gesundheitliche Auswirkungen definierbar sind. Unterhalb dieser Aufnahmemengen tritt die krebserzeugende Wirkung nicht auf. PFOA und PFOS können auch den Fettstoffwechsel, die Schilddrüsenfunktion und das Immunsystem beeinflussen.

Werden PFAS, insbesondere PFOA und PFOS, im Körper verstoffwechselt?

Studien zeigen, dass Menschen langkettige PFAS wie PFOA (Perfluoroktansäure) und PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) nicht verstoffwechseln. Die Substanzen werden unverändert, vorrangig über den Urin, sehr langsam ausgeschieden; sie haben Halbwertzeiten im Bereich von mehreren Jahren. Die Halbwertszeit ist die Zeitspanne, in der im Körper der Gehalt von einer Substanz durch biochemische und physiologische Prozesse (Stoffwechsel und Ausscheidung) auf die Hälfte absinkt.

PFOA und PFOS reichern sich im Körper an. Tierexperimente zeigen, dass Tierarten wie Ratte, Maus, Hund und Affe die Substanzen in Abhängigkeit von der Tierart und dem Geschlecht deutlich schneller ausscheiden als der Mensch.

PFAS mit kürzeren fluorierten Kohlenstoffketten als PFOS und PFOA sind besser wasserlöslich und werden in allen untersuchten Säugerspezies einschließlich des Menschen schneller mit dem Urin ausgeschieden als die langkettigen Verbindungen. Im Vergleich zu den Versuchstierarten ist aber auch bei den kurzkettigen PFAS die Ausscheidung beim Menschen deutlich langsamer.

Gibt es gesundheitliche Richtwerte (z. B. TWI) für PFAS?

Ein TWI-Wert beschreibt die Aufnahmemenge eines Stoffes pro Woche, die bei lebenslanger Aufnahme keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen in der Bevölkerung erwarten lässt. Für PFOA (Perfluoroktansäure) und PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) am 13.12.2018 neue TWI-Werte abgeleitet, die auf Ergebnissen aus epidemiologischen Studien beruhen. In diesen Studien zeigten sich Korrelationen erhöhter Gehalte an PFOS und PFOA im Blutserum mit bestimmten biochemischen Parametern, nämlich einer Erhöhung des Gesamtcholesterins im Serum (Korrelation sowohl mit PFOS als auch mit PFOA) und einer verminderten Bildung von Antikörpern im Serum nach bestimmten Impfungen bei Kindern (Korrelation mit PFOS).

Für PFOA leitete die EFSA einen TWI-Wert von 6 Nanogramm (ng) pro Kilogramm (kg) Körpergewicht in der Woche ab und für PFOS einen TWI-Wert von 13 ng pro kg Körpergewicht in der Woche. Die EFSA geht davon aus, dass diese auf der Basis von Humandaten abgeleiteten gesundheitsbasierten Richtwerte alle Bevölkerungsgruppen einschließlich der empfindlichsten Gruppe der Neugeborenen ausreichend schützen.

Was bedeutet es, wenn diese gesundheitlichen Richtwerte für PFOA und PFOS kurzfristig leicht bis moderat überschritten werden?

Bei einer kurzfristigen Überschreitung des TWI („Tolerable Weekly Intake“) ist aufgrund der geringen akuten Toxizität von PFOA und PFOS keine gesundheitliche Beeinträchtigung von Verbraucherinnen und Verbrauchern einschließlich Säuglingen und Kindern zu erwarten. Allerdings kann auch eine kurzfristige Überschreitung des TWI-Wertes wegen der langen Halbwertszeit der Stoffe zu einer langfristig höheren internen Exposition des Organismus beitragen.

Was bedeutet es, wenn diese gesundheitlichen Richtwerte der EFSA für PFOA und PFOS langfristig überschritten werden?

Ein TWI-Wert beschreibt die Aufnahmemenge eines Stoffes pro Woche, die bei lebenslanger Aufnahme keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen in der Bevölkerung erwarten lässt. Nach der Expositionsschätzung der EFSA werden die neuen TWI-Werte für PFOS und PFOA in Europa von Teilen der Bevölkerung überschritten. Betrachtet man die Expositionsschätzung für die Bevölkerung in Deutschland, so zeigt sich für PFOS, dass der TWI-Wert bei mittleren Verzehrmengen nicht überschritten wird und bei hohen Verzehrmengen (95. Perzentil) in der Altersgruppe der Kleinkinder und Älteren überschritten wird. Für PFOA zeigt sich, dass die Exposition von Kleinkindern und Kindern bei mittleren Verzehrmengen den TWI-Wert überschreitet und die Exposition von allen Altersgruppen bis 18 Jahren den TWI-Wert bei hohen Verzehrmengen (95. Perzentil) überschreitet. Für die Einschätzung der langfristigen Gesamtexposition gegenüber PFOS und PFOA stellen Gehalte der Verbindungen im Blut wegen ihrer langen Halbwertzeiten beim Menschen einen geeigneten Parameter dar.

Aktuelle Untersuchungen in einer städtischen Region in Deutschland im Jahr 2016 zeigen, dass diejenigen Blutgehalte, die den neu abgeleiteten TWI-Werten für PFOS und PFOA zugrunde liegen, nicht überschritten werden. Diese Untersuchungen beruhen jedoch nicht auf einer repräsentativen Datenerhebung für die Gesamtbevölkerung und können daher nur eingeschränkt für die Risikobewertung herangezogen werden.

Langfristige TWI-Überschreitungen können laut der aktuellen Stellungnahme der EFSA beispielsweise mit Veränderungen des Fettstoffwechsels (Erhöhung des Gesamtcholesterinspiegels) einhergehen. Cholesterin ist einer der bekannten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Epidemiologische Studien zeigen diesen Zusammenhang für Personen ab einem Alter von über 40 Jahren. Es gibt jedoch weitere Faktoren, die einen wesentlichen Einfluss auf das Risiko für solche Erkrankungen haben, wie das Alter, das Geschlecht, bestimmte Lebensgewohnheiten wie Rauchen und die Höhe des Blutdrucks. Bisher gibt es noch keine belastbaren epidemiologischen Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den PFOS- und PFOA-Gehalten im Blut und einem erhöhten Risiko für diese Erkrankungen in besonders stark exponierten Bevölkerungsgruppen. Daher ist die derzeitige Bewertung gesundheitlicher Risiken durch die Exposition gegenüber PFOS/PFOA basierend auf den aktuellen TWI-Werten der EFSA mit Unsicherheiten behaftet.

Auch müssen externe Aufnahmemengen an PFOS und PFOA, die für eine gewisse Zeit im Bereich des TWI-Wertes liegen, nicht zu Blutspiegeln im gesundheitlich kritischen Bereich führen. In Abhängigkeit von der Höhe der bereits vorhandenen Blutspiegel kann es Jahre dauern, bis Aufnahmemengen in Höhe der TWI-Werte zum Erreichen von Blutspiegeln im gesundheitlich kritischen Bereich führen.

Insgesamt bestehen aus Sicht des BfR erhebliche Unsicherheiten in Bezug auf die Expositionsdaten, auf die Evidenz einer Kausalität und auf Fragen der klinischen Relevanz der für die TWI-Ableitung zugrunde gelegten Effekte.

Aus Sicht des BfR besteht weiterer Forschungsbedarf, unter anderem zur Frage des ursächlichen Zusammenhangs (Kausalität) und zur gesundheitlichen Relevanz der beobachteten Effekte. Das BfR empfiehlt trotz des wissenschaftlichen Forschungsbedarfs bei der Bewertung von PFOS und PFOA in Lebensmitteln, die neu abgeleiteten gesundheitsbezogenen Richtwerte der EFSA heranzuziehen.

Ist der Einsatz von PFOA und PFOS mittlerweile verboten?

PFOS erfüllt die Kriterien für die Einstufung als persistenter organischer Schadstoff (POP) im Sinne des Stockholmer Übereinkommens und wird in der EU durch die Richtlinie 2006/122/EG reguliert. Danach sind die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von PFOS und seinen abgeleiteten Verbindungen (Derivaten) in der EU weitestgehend beschränkt.

Ebenso sind die Herstellung, Verwendung, das Inverkehrbringen und der Import von PFOA ab 4. Juli 2020 in der EU weitestgehend eingeschränkt (siehe Link unten). Für Textilien gilt bspw. dann ein Grenzwert von 25 Mikrogramm (µg) pro Kilogramm (kg) (PFOA) bzw. 1000 µg pro kg (PFOA-freisetzende Substanzen). Für einige Spezialverwendungen gibt es Ausnahmen bzw. längere Übergangsfristen. Zudem wurden PFOA sowie die perfluorierten Säuren mit einer Kohlenstoffkettenlänge von C9 bis C14 in die europäische Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC) aufgenommen.

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32017R1000&from=DE

Werden PFAS in Verpackungsmaterialien für Lebensmittel eingesetzt?

Für die Verwendung von PFAS bei der Herstellung von Kunststoffen im Kontakt mit Lebensmitteln hat die EU-Kommission Restriktionen festgelegt, um eine PFAS-Aufnahme der Bevölkerung über diese Materialien weitgehend zu vermeiden bzw. zu verhindern. Beispiel PFOA: Für diesen Stoff, dessen Salze oder Vorläuferverbindungen als Bestandteil eines anderen Stoffes, z. B. in Lebensmittelverpackungen, gelten mit der EU-weiten Beschränkung ab dem Jahr 2020 Gehaltsgrenzwerte von 25 Mikrogramm (µg) pro Kilogramm (kg) für PFOA und deren Salze und 1000 µg pro kg für Vorläuferverbindungen.

Werden bei der Herstellung von Outdoor-Kleidung PFAS eingesetzt?

Fluorierte Polymere, auch Fluorcarbonharze genannt, werden zur Beschichtung von Textilien eingesetzt, um Wasser, Öl und Schmutz abzuweisen. Diese Beschichtung ist fest an das Material gebunden. Prozessbedingt können solche Beschichtungen Rückstände von PFOA und deren Vorläuferstoffe enthalten. PFOA kann zudem dabei als nicht beabsichtigtes Nebenprodukt im Produktionsprozess auf Basis der C8-Fluorchemie entstehen. Mittlerweile wird von der Industrie vorwiegend eine alternative Technologie auf Basis der „C6-Fluorchemie“ zur Beschichtung eingesetzt, die den Restgehalts an PFOA reduziert. Darüber hinaus gibt es auch fluorchemiefreie Technologien, um Textilien wie Outdoor-Bekleidung wasserabweisend zu machen.

Besteht ein gesundheitliches Risiko durch das Tragen von Outdoor-Kleidung?

Neben den fluorchemiefreien Varianten für die wasserabweisende Ausrüstung von Bekleidung ist durch die neue Technologie „C6-Fluorchemie“ der Restgehalt an PFOA reduziert worden, so dass nur noch Spuren davon im Produkt nachgewiesen werden. PFOA ist nicht fest an die Textilfaser gebunden und kann beim Gebrauch oder Waschen der Kleidung freigesetzt werden. Aus Sicht des BfR stellt das Tragen einer nach dem neuesten Stand der Technik hergestellten Jacke nach jetzigem Kenntnisstand kein gesundheitliches Risiko dar, da zudem die Haut eine gute Barriere für PFOA darstellt. Die Hauptaufnahmequelle für Verbraucherinnen und Verbraucher von PFOA ist die Nahrung. Demgegenüber ist die Wahrscheinlichkeit der eventuellen direkten Aufnahme durch Outdoor-Bekleidung vernachlässigbar gering.

Wie bewertet das BfR den Einsatz von kurzkettigen PFAS?

Von der Industrie werden mittlerweile als Alternative zur „C8-Fluorchemie“ unter anderem PFAS mit kürzeren perfluorierten Kohlenstoffketten („kurzkettige PFAS“) wie z. B. die „C6-Fluorchemie“ eingesetzt. Kurzkettige PFAS werden nach der Aufnahme in den menschlichen und Säugetier-Organismus deutlich schneller ausgeschieden als langkettige.

Daten aus Tierversuchen zu kurzkettigen PFAS, beispielsweise zu Perfluorhexansäure (PFHxA), die eine Kette von sechs Kohlenstoffatomen besitzt, weisen auf eine ähnliche toxikologische Wirkung hin. Allerdings scheint die Wirkungsstärke im Vergleich zu langkettigen PFAS geringer zu sein, da die toxischen Effekte der kurzkettigen Verbindungen erst in höheren Dosierungen beobachtet wurden. Es ist aktuell nur eine begrenzte Anzahl von toxikologischen Daten für diese Stoffe verfügbar.

Zur Bewertung der gesundheitlichen Risiken von kurzkettigen PFAS in Lebensmitteln liegen bisher keine gesundheitsbasierten Richtwerte, z. B. TWI-Werte (Werte für die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge), vor.

Sollten kurzkettige Verbindungen in Zukunft verstärkt als Alternativstoffe in der Produktherstellung eingesetzt werden, kann dies aus Sicht des BfR aufgrund ihrer Beständigkeit in der Umwelt zu einer erhöhten Aufnahme führen. Das BfR empfiehlt, Gehalte von lang- und kurzkettigen PFAS in Lebensmitteln insbesondere in Regionen mit auffällig hohen Gehalten (sogenannte Hot Spots) weiterhin zu beobachten, und Einträge in die Umwelt so weit wie möglich zu vermeiden.

Was empfiehlt das BfR Verbraucherinnen und Verbrauchern?

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist es nur begrenzt möglich, ihren Kontakt mit bzw. ihre Aufnahme von PFOA und PFOS zu beeinflussen. Dies gilt insbesondere für Lebensmittel und Trinkwasser. Eine diesbezügliche Umstellung der Ernährungsgewohnheiten ist nicht nötig. In Regionen mit relativ hoher Hintergrundbelastung (Hot-Spots) verweist das BfR auf die Empfehlungen der jeweiligen Landesbehörden.

Gehen PFOA und PFOS in die Muttermilch über?

Untersuchungen von Muttermilchproben zeigen, dass PFOA und PFOS auch in der Muttermilch nachweisbar sind. Die darin gemessenen Gehalte von PFOS und PFOA betragen nach unterschiedlichen Untersuchungen ca. 0,9 bis 2 % bzw. 1,8 bis 9 % der Gehalte im Blut der Mutter.

Was empfiehlt das BfR stillenden Müttern?

PFOA und PFOS sind in niedrigen Gehalten in Muttermilchproben aufgrund der internen Belastung der Mütter zu erwarten und auch nachgewiesen worden. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch PFOA und PFOS ist dennoch bei gegenwärtigem Expositionsniveau in Deutschland nicht zu erwarten. Dies gilt auch für lange und in den ersten Monaten ausschließlich gestillte Säuglinge.

Weitere Informationen auf der BfR-Website zum Thema:

Veröffentlichungen zu PFAS auf der BfR-Webseite
https://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/poly__und_perfluoralkylsubstanzen__pfas_pfc_-8102.html

XXXVI. Papiere, Kartons und Pappen für den Lebensmittelkontakt, BfR-Empfehlung XXXVI, Stand vom 01.07.2016
https://bfr.ble.de/kse/faces/resources/pdf/360.pdf



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