Weltweit einheitliche Dokumentation von Vergiftungen soll Datenlage verbessern und Gesundheitsgefahren mindern

Die genaue Zahl der Menschen, die jedes Jahr eine Vergiftung erleiden oder daran sterben ist nicht bekannt, Experten schätzen aber, daß es Hunderttausende sind. Neben chemischen Substanzen, seien es Arzneimittel, chemische Haushaltsprodukte, Pflanzenschutzmittel oder andere Chemikalien, können giftige Pflanzen, Pilze oder Tiere Vergiftungen verursachen. In vielen Ländern wurden deshalb Giftinformationszentren etabliert, die informieren und beraten. Eine weltweit einheitliche Dokumentation von Vergiftungsfällen soll künftig dazu beitragen, bessere Daten zum Vergiftungsgeschehen bereitzuhalten und damit die Gesundheitsgefahren zu mindern. Das ist das Ziel, das sich 90 klinische Toxikologen aus 40 Ländern der Welt gesetzt haben, die sich im Rahmen des "INTOX"-Projektes der Weltgesundheitsorganisation eine Woche lang im Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, BgVV, in Berlin zu einem Erfahrungsaustausch trafen. Das Treffen, das vom 16.-20. Oktober 1995 in der internationalen Begegnungsstätte "Jagdschloß Glienicke" stattfand, wurde vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit unterstützt.

INTOX ist ein Projekt, das die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1988 im Rahmen des internationalen Programms für Chemische Sicherheit (IPCS) gestartet hat und dessen Ziel es ist, gesundheitliche Gefahren durch Chemikalien besser erkennen und bewerten zu können. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Unterstützung der Giftinformationszentren in der dritten Welt. Diese haben oft wenig eigene Möglichkeiten, Informationen zu beschaffen und für die Beratung zu nutzen. Dem stehen erhebliche Probleme, z.B. durch Pestizidbelastung oder die Auswirkung von Kampfstoffen, sowie ungenügende Arbeitsschutzmaßnahmen gegenüber.

Im Rahmen des INTOX-Projektes wurde ein Computerprogramm entwickelt und auf der internationalen Toxikologentagung vorgestellt, mit dessen Hilfe die Dokumentation von Vergiftungsfällen ermöglicht und einheitlich gestaltet wird. Über 100 Experten aus vielen Ländern haben an der Entwicklung des Programms mitgearbeitet und einen internationalen Konsens geschaffen, auf dessen Grundlage Vergiftungsfälle künftig anhand von Klassifikationssystemen weltweit vergleichbar erfaßt und gemeinsam ausgewertet werden können.

Das Computerprogramm umfaßt neben der Dokumentations-Software Produktinformationen, Monographien über Chemikalien, Arzneimittel, Giftpflanzen und "giftige" Tiere. Alle Informationen befinden sich auf einer Compact Disk, die beim International Programme on Chemical Safety (IPCS) der WHO, in Genf, erhältlich ist. INTOX bedeutet einen wichtigen Schritt in Richtung auf die Harmonisierung der Dokumentation von Vergiftungsfällen. Das Programm soll jetzt nach siebenjähriger Entwicklung in der Praxis erprobt werden.


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