Leichter Anstieg der Resistenzen gegen "neue" Tierarzneimittel zu beobachten

Vor einem Einsatz von Antibiotika immer die Empfindlichkeit der Erreger prüfen

Bakterienarten, die als Krankheitserreger bei landwirtschaftlichen Nutz- und Haustieren von Bedeutung sind, sind vor allem gegen die klassischen, seit langem genutzten Wirkstoffe resistent, teilweise haben sie Mehrfachresistenzen ausgebildet. Für einige Bakterienarten wurde 1993 aber auch ein leichter Anstieg der Resistenzen gegen neuere Chemotherapeutikagruppen, wie z.B. die Chinolone, beobachtet. Das zeigt ein Vergleich der jetzt vom Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, BgVV, als Berichtsband vorgelegten Resistenzauswertung 1993 mit den Ergebnissen des Jahres 1992. In die Untersuchungen von 34.583 Bakterienstämmen, die an 29 Instituten methodisch einheitlich erfolgten, wurden die fünf neuen und sieben alte Bundesländer einbezogen. Alle in der Veterinärmedizin verfügbaren Chemotherapeutika wurden in Antibiogrammen getestet. Die Ergebnisse wurden sowohl für die Bundesrepublik Deutschland als auch getrennt für die alten und neuen Bundesländer zusammengestellt, da aus der unterschiedlichen Nutzung von Tierarzneimitteln unterschiedliche Ausgangssituationen resultierten.

Ein Vergleich der Resistenzsituation 1992 zu 1993 bei Krankheitserregern des Rindes bestätigt die hohe Benzylpenicillinresistenz von Clostridium perfringens. Ampicillin ist gegen diesen Keim weiterhin gut wirksam. Escherichia coli ist, wie schon 1992 beobachtet, multiresistent gegen Tetracycline, Neomycin, Ampicillin und Sulfonamide. Nur gegenüber Polypeptid-Antibiotika ist der Erreger noch ausreichend empfindlich. Pasteurella haemolytica und P. multocida verursachen schwere Atemwegserkrankungen beim Rind. Sie sind schon jetzt hoch resistent gegen Tetracyclin und Penicillin und die Tendenz ist weiter steigend. (Noch) sind die Erreger sensibel gegen Enrofloxacin und teilweise gegen sogenannte "potenzierte" Sulfonamide.

Etwas günstiger hat sich die Resistenzsituation bei den Salmonellen, insbesondere bei S. dublin und S. enteritidis, entwickelt; mehrfach resistent ist nur noch S. typhimurium; die Resistenz ist vor allem gegenüber Tetracyclin ausgeprägt.

Bei den Staphylokokken liegt die Resistenz gegen Benzylpenicillin konstant bei etwa 50 Prozent; es wird empfohlen andere Wirkstoffgruppen, wie Aminoglykoside und Cephalosporine, einzusetzen.

Eine Resistenz liegt dann vor, wenn ein therapeutischer Erfolg - gemessen am Wachstum des Erregers - bei Einsatz der zugelassenen Höchstdosis eines Arzneimittels nicht zu erwarten ist. Die vorliegende Untersuchung zeigte, daß die Wirksamkeit vieler Stoffe bereits mehr oder weniger stark durch Resistenzfaktoren beeinträchtigt ist. Dies gilt vor allem für ältere Chemotherapeutika wie Benzylpenicilline, Tetracycline und Sulfonamide, aber auch für Chloramphenicol, das 1993 noch bei lebensmittellieferenden Tieren eingesetzt wurde, Streptomycin und Makrolide. Da das Resistenzverhalten stark vom lokalen Selektionsdruck bestimmt wird, sollte vor jedem Einsatz von Chemotherapeutika ein Antibiogramm erstellt werden.

Der Berichtsband ist unter dem Titel "Resistenzauswertung veterinärmedizinischer bakterieller Erreger - Auswertung 1993" als BgVV-Heft 10/1995 erschienen und zum Preis von DM 30,-- bei der Pressestelle erhältlich.


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