Bundesregierung ernennt sechs Nationale Referenzlaboratorien für Zoonosen am BgVV

Die Bundesregierung hat am Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin sechs nationale Referenzlaboratorien für vom Tier direkt auf den Menschen übertragbare Krankheiten (Zoonosen) ernannt. Das BgVV wird künftig alle wesentlichen Informationen sammeln und auswerten, die als Basis für Maßnahmen zur Bekämpfung und Verhütung von Zoonosen und damit für den gesundheitlichen Verbraucherschutz benötigt werden. Zu den Aufgaben gehört es auch, die Tätigkeit der Untersuchungseinrichtungen der Bundesländer zu koordinieren und zu unterstützen. Mit der Einrichtung nationaler Referenzlaboratorien soll die Basis für europaweite gemeinsame Maßnahmen in diesem Bereich geschaffen werden.

Gesetzliche Grundlage für die Ernennung der Nationalen Referenzlaboratorien ist die Zoonosen-Richtlinie des europäischen Rates aus dem Jahr 1992. Im Rahmen der nationalen Umsetzung schreibt sie die Einrichtung von Referenzlaboratorien vor. Ziel ist der Schutz vor bestimmten Zoonosen bzw. ihren Erregern bei Tieren und Erzeugnissen tierischen Ursprungs sowie die Verhütung lebensmittelbedingter Infektionen und Vergiftungen. Hierfür sollen die diagnostischen und epidemiologischen Arbeiten ebenso wie die Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung von Zoonosen interdisziplinär koordiniert werden.

Zoonosen sind Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Neben der Therapie des Patienten ist die Ursachenaufklärung von besonderer Bedeutung für den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Um epidemiologische Aussagen treffen zu können, wird eine reproduzierbare und standardisierte Diagnostik benötigt. Die gesicherte epidemiologische Erfassung und Analyse von Infektionsdaten ist Voraussetzung für effektive und kostengünstige Bekämpfungsstrategien.

Im Bereich der Diagnostik umfaßt die allen gemeinsame Aufgabenstellung der Referenzlaboratorien u.a. die Feindifferenzierung von Isolaten und Untersuchungsmaterial anderer Untersuchungseinrichtungen, die Bereitstellung von Kontrollsystemen für diagnostische Untersuchungen, die Angleichung von Labormethoden und die Entwicklung von Beurteilungsschemata für diagnostische Reaktionen. Die Referenzlaboratorien führen Ringversuche durch und werten diese aus. Fortbildungsmaßnahmen dienen einer standardisierten Beurteilung und Bewertung durch die verschiedenen Institutionen und Untersuchungseinrichtungen. Die Referenzlaboratorien führen daneben eigene anwendungsbezogene Forschung durch. Zu den wesentlichen Aufgaben gehört die Mitarbeit bei der Erarbeitung gesetzlicher Regelungen zur Zoonosen-Kontrolle im nationalen und europäischen Bereich.

Auf dem Gebiet der Epidemiologie gilt es, Infektketten im veterinärmedizinischen und humanmedizinischen Bereich zu erfassen und aufzuklären. Untersuchungsergebnisse aus Institutionen der Bundesländer werden erfaßt, dokumentiert und regelmäßig im Bundesgesundheitsblatt publiziert. Alle Daten werden an das Nationale Referenzlabor der Epidemiologie der Zoonosen gemeldet, dieses informiert seinerseits das Europäische Referenzlabor.

Unter Berücksichtigung der Weiterentwicklung diagnostischer Methoden und der Auswertung infektionsepidemiologischer Daten ist das BgVV an der Erarbeitung von Bekämpfungsstrategien von Zoonosen auf nationaler und europäischer Ebene beteiligt.

Folgende Referenzlaboratorien wurden ernannt. Für die Einsendung von biologischem Material gelten die aufgeführten Anschriften:

Nationales veterinärmedizinisches Referenzlabor für Tuberkulose (NRL-TUB)

Ansprechpartner: Prof. Dr. Schimmel, BgVV Jena, Telefon 03641-804-240

Anschrift: BgVV, Fgr. 41, Naumburger Straße 96a, D-07743 Jena

Der Erreger der Rindertuberkulose, Mycobakterium bovis, verursacht auch beim Menschen tuberkulöse Erkrankungen. Vor allem in den Nachkriegsjahren stellte die Eutertuberkulose für die Kinder und die offene Lungentuberkulose für Menschen, die mit diesen Tieren Umgang hatten, eine große Gefahr dar. Die Rindertuberkulose wurde staatlich erfolgreich bekämpft. Gefahren drohen den deutschen Rinderbeständen aber weiterhin durch den Handel mit Tieren aus Ländern, in denen die Tuberkulose heute noch vorkommt. Das Referenzlabor wird sich darüber hinaus auch mit der Typisierung anderer beim Tier vorkommender Mykobakterien beschäftigen, weil diese eine zunehmende Bedeutung als Krankheitserreger, vor allem bei in ihrer Abwehr geschwächten Menschen, erlangen.

Nationales veterinärmedizinisches Referenzlabor für Brucellose (NRL-BRUC)

Ansprechpartner: Dr. Staak, Telefon 030-8412-2053

Anschrift: BgVV, FG 505, Diedersdorfer Weg 1, D-12277 Berlin

In Deutschland gilt die Brucellose als getilgt. Dennoch ist in den letzten Jahren eine Zunahme von Brucellose-Fällen bei Menschen und Brucellose-Ausbrüchen in Viehbeständen zu verzeichnen. Auslandsreisen, Immigration und der Import lebender Tiere scheinen die wesentlichen Ursachen zu sein. Damit ist Deutschland einem ständigen Infektionsdruck ausgesetzt, dem eine andauernde intensive Beobachtung des Brucellose-Geschehens im Inland entgegengesetzt werden muß.

Nationales veterinärmedizinisches Referenzlabor für Salmonellen (NRL-SALM)

Ansprechpartner: Dr. Helmuth, Telefon 030-8412-2233

Anschrift: BgVV, FG 501, Diedersdorfer Weg 1, D-12277 Berlin

Die Salmonellose gehört weltweit zu den wichtigsten Zoonosen. Über Lebensmittel kann sie den Menschen erreichen und zu Durchfällen, gelegentlich auch zu schweren Erkrankungen führen. Zu den besonderen Aufgaben des Referenzlabors gehört es deshalb, auf einen optimalen Gesundheitsstatus der Einzeltiere und Tierbestände, die zur Gewinnung von Lebensmitteln dienen, hinzuwirken und diesen Status aufrechtzuerhalten. Die Sicherung des Gesundheitsschutzes im Hinblick auf Lebens- und Futtermittel ist ein weiterer Aspekt. Das Referenzlaboratorium soll einen kontinuierlichen Überblick über die aktuelle epidemiologische Situation der Salmonellen geben.

Nationales veterinärmedizinisches Referenzlabor für Trichinellosis (NRL-TRICH)

Ansprechpartner: Dr. Voigt, Telefon 030-8412-2201

Anschrift: BgVV, FG 506, Diedersdorfer Weg 1, D-12277 Berlin

Die Trichinellose oder Trichinenkrankheit ist eine sehr seltene Erkrankung des Menschen, die durch den Verzehr von rohem Fleisch trichinöser Tiere ausgelöst wird. Bei ausreichend erhitztem Fleisch werden Trichinen abgetötet. Um eine Gefährdung des Verbrauchers auszuschließen, ist es Vorschrift, jedes geschlachtete Schwein und Pferd auf Trichinellenbefall zu untersuchen. Die Befallsraten sind gering (1-2 Tiere von 40 Millionen geschlachteten Schweinen); sie liegen bei Wildschweinen minimal höher. Da schwere Epidemien mit mehreren hundert erkrankten Menschen i.d.R. von einzelnen befallenen Tieren ausgehen, kann auf die Untersuchung jedes einzelnen Tieres nicht verzichtet werden.

Nationales Referenzzentrum für E. coli (NRL-EC)

Ansprechpartner: Dr. Perlberg, BgVV-Dessau, Telefon 0340-64000-100

Anschrift: BgVV, FG 502, Jahnstraße 8, D-06846 Dessau

Unter den Escherichia coli-Stämmen gilt nur der enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) als Zoonosenerreger. Der Keim kommt im Darmtrakt von Warmblütern vor und hat in der jüngsten Vergangenheit als Lebensmittelinfektionserreger besondere Bedeutung erlangt. Schon in geringer Anzahl können diese Coli-Keime schwerwiegende Erkrankungen verursachen und neben blutigem Durchfall bei Kleinkindern und Menschen mit geschwächtem Immunsystem, das Hämolytisch Urämische Syndrom (HUS) auslösen. Mit dem HUS-Syndrom kann eine dauerhafte Schädigung der Nieren einhergehen; in 10 % der Fälle verläuft es tödlich. Da derzeit keine ausreichenden therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, hat die epidemiologische Aufklärung als Basis für Präventivmaßnahmen eine besondere Bedeutung.

Nationales Referenzlaboratorium für die Epidemiologie der Zoonosen (NRL-E)

Ansprechpartner: Dr. Hartung, Telefon 030-8412-2220

Anschrift: BgVV, FG 501, Diedersdorfer Weg 1, D-12277 Berlin

Zoonosenerreger werden wie im Fall der Salmonellen häufig über Lebensmittel übertragen. Eine effektive Bekämpfung der Erreger ist nur aufgrund fundierter Kenntnisse der Infektionsreservoire möglich. Zugleich kann eine gut organisierte Erregerüberwachung frühzeitig Gefahren aufdecken, die durch neu eingeschleppte Krankheitserreger drohen. Mit der Einrichtung des Referenzlaboratoriums wurde die Möglichkeit einer bereichsübergreifenden Analyse der Infektionswege von der Umwelt über Futtermittel, Nutz- und Haustiere sowie über Lebensmittel hin zum Menschen geschaffen.

Die Daten aus allen nationalen Referenzlaboratorien der Europäischen Union werden an das

Gemeinschaftliche Referenzlabor für die Epidemiologie der Zoonosen (CRL-E)

Ansprechpartner: Frau Dr. Käsbohrer, Telefon 030-8412-2233

Anschrift: BgVV, FB 5, Diedersdorfer Weg 1, D-12277 Berlin

gemeldet, das als Europäisches Referenzlabor seit 1994 ebenfalls am BgVV eingerichtet ist. Wichtigste Aufgabe ist die Koordination der Überwachung der Zoonose-Situation in der Europäischen Gemeinschaft und damit der Verbraucherschutz im Handelsverkehr. Das Referenzlabor ist direkt der Generaldirektion VI der Europäischen Gemeinschaft unterstellt. Die Berichte der Mitgliedstaaten werden aufbereitet, um die Europäische Kommission bei der Berichterstattung vor dem Ständigen Veterinärausschuß über die Zoonose-Situation in Europa zu unterstützen und gezielte Bekämpfungsmaßnahmen vorschlagen zu können.

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