Beobachtung der Zoonosen-Entwicklung liefert wichtige Hinweise für die Bekämpfung von Krankheitserregern

Seit seiner Ernennung 1996 beobachtet das Nationale Referenzlaboratorium für die Epidemiologie der Zoonosen am Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, BgVV, die Entwicklung der wichtigsten Zoonosen in Deutschland. Ein erster Trendbericht für 1995 liegt jetzt vor, weitere werden jährlich erscheinen. Der Bericht enthält die vom BgVV zusammengestellten, mit anderen Informationsquellen verglichenen und bewerteten Meldungen der Bundesländer über Zoonosennachweise bei Menschen, Tieren, in Lebens- und Futtermitteln sowie Umweltproben. Die Ergebnisse der Zoonose-Überwachung bedürfen weiterer Standardisierung, liefern aber schon heute wichtige Hinweise zur effizienteren Bekämpfung der Erreger sowie für die Verbesserung der Nachweis- und Meldeverfahren.

Zoonosen sind Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Ein klassisches Beispiel ist die Salmonellose, eine übertragbare Durchfallerkrankung (enteritis infectiosa) die nach einem kontinuierlichen Anstieg der Erkrankungszahlen seit Ende der 80iger Jahre 1992 mit 195.000 Fällen einen Höhepunkt erreichte. Seit 1993 sind die Zahlen rückläufig. 1995 wurden nur noch 116.000 Erkrankungen registriert. Als Hauptinfektionsquellen des Menschen gelten kontaminierte Lebensmittel, insbesondere Geflügelfleisch, Eier, Eiprodukte und roheihaltige Speisen. Krankheitserreger ist zumeist Salmonella enteritidis, derselbe Erregertyp, der auch in 70 Prozent aller Salmonellenfunde bei Legehühnern nachgewiesen wird. Basierend auf diesen Beobachtungen wurden Impfprogramme für den Tierbestand entwickelt und Rechtsverordnungen erarbeitet. Der Rückgang der Salmonellose-Zahlen zeigt, daß diese Maßnahmen greifen.

Kein Zusammenhang besteht zwischen 36 Brucellosefällen des Menschen, die 1995 gemeldet wurden und den Brucellose-Fälle bei Tieren in Deutschland. Während alle Erkrankungen des Menschen durch Brucella melitensis, den Erreger des „Maltafieber" verursacht wurden, konnten bei einheimischen Tieren ausschließlich andere Erregertypen nachgewiesen werden. Die Untersuchungsergebnisse können dahingehend interpretiert werden, daß Lebensmittel tierischer Herkunft im oder aus dem Ausland die Infektionsquelle für die Erkrankungsfälle des Menschen darstellen.

Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC)-Keime können bei Kindern schwerste Erkrankungen verursachen. Eine bundesweite separate Meldepflicht für EHEC-Infektionen besteht bis heute nicht. Sie werden in der Kategorie „übriger Formen" der übertragbaren Durchfallerkrankungen (enteritis infectiosa) gemeldet. Bei den meisten Erkrankungsfällen konnten die Infektionsquellen nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Neben der Möglichkeit der Übertragung von Mensch zu Mensch wurde die Infektion durch Rohmilch und Rohwürste diskutiert. Die Beobachtung des Zoonosegeschehens brachte auch hier wertvolle Hinweise auf die Infektionswege und für die Bekämpfung der Krankheit. 3,9 % der untersuchten Roh- und 2,1 % der Vorzugsmilch-Proben aus verschiedenen Regionen Deutschlands waren positiv. Knapp 50 % der untersuchten Schlachtrinder schieden den Erreger aus. Er konnte auch aus rohen Rindfleischproben und einem Hackfleischerzeugnis isoliert werden.

Kein Zusammenhang konnte zwischen den Erkrankungen einheimischer Tiere durch Mykobakterien und Menschen hergestellt werden, die in steigender Zahl durch diesen Erreger an Tuberkulose erkranken.

Neben Salmonellose, Brucellose, Enteritis infectiosa (hier: E. coli) und Tuberkulose sind nach dem Bundesseuchengesetz Tollwut, Trichinose, Pest sowie die angeborene Listeriose und Toxoplasmose meldepflichtig und werden in dem vorliegenden Trendbericht behandelt.

Er ist unter dem Titel „Bericht über die epidemiologische Situation der Zoonosen in Deutschland für 1995" als BgVV-Heft 12/97 erschienen und kann zum Preis von DM 15,-- schriftlich in der Pressestelle bestellt werden.


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