BfR leistet Beitrag zur verbesserten Bewertung gesundheitlicher Risiken von Stoffgemischen im EuroMix-Projekt


31/2019, 19.08.2019


Das EuroMix-Projekt (European Test and Risk Assessment Strategies for Mixtures) ist unter Beteiligung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nach vier Jahren erfolgreich beendet worden. In dem EU-geförderten Forschungsvorhaben entwickelten 26 europäische Institutionen gemeinsam eine Strategie, mit der das gesundheitliche Risiko von Stoffgemischen in Lebensmitteln besser untersucht und bewertet werden kann. „Wir nehmen mit der Nahrung viele verschiedene Stoffe gleichzeitig auf. Um gesundheitliche Risiken zu bewerten, müssen mögliche Kombinationswirkungen künftig besser berücksichtigt werden“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Mit dem EuroMix-Projekt ist es gelungen, eine neue Prüfstrategie für die Bewertung von Stoffgemischen zu entwerfen. Diese besitzt zudem das Potenzial, die Zahl der Tierversuche zu reduzieren.“

Das BfR nahm als die Institution, die in Deutschland mit der Bewertung gesundheitlicher Risiken von Stoffen beauftragt ist, mit zwei Abteilungen mit folgendem Hintergrund an dem Forschungsprojekt teil: Lebensmittel können potentiell gesundheitsschädliche Stoffe enthalten, etwa Pestizidrückstände oder natürlicherweise vorkommende Stoffe. Bislang ist es allerdings schwierig, das gesundheitliche Risiko von Stoffgemischen zu bewerten, weil toxikologische Daten meist nur für Einzelsubstanzen erhoben werden. Für Gemische fehlen sie oftmals. Das Projekt EuroMix sollte ein wissenschaftliches Fundament aufbauen, mit dem die Toxizität von Stoffgemischen künftig experimentell besser bestimmt werden kann.

Neue Testmethoden sowie eine harmonisierte Risikobewertung auf europäischer und internationaler Ebene sollen zukünftig die Risikobewertung verbessern. Das BfR übernahm in dem Projekt die Analyse der aktuellen rechtlichen Grundlagen für die Risikobewertung von Stoffgemischen sowie deren Methoden. Defizite wurden identifiziert und darauf aufbauend Empfehlungen für eine neu zu entwickelnde Prüfstrategie erarbeitet. Außerdem wurden vier Workshops veranstaltet, auf denen internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutierten, wie eine harmonisierte Herangehensweise auch außerhalb von Europa umgesetzt werden kann. Im Rahmen von EuroMix kam außerdem im April 2019 eine Expertenrunde der WHO zusammen und publizierte einen ersten Ansatz für die Risikobewertung von Substanzkombinationen.

Mit dem EuroMix-Projekt sollte auch die Anzahl von Tierversuchen bei der Risikobewertung von Stoffgemischen reduziert werden. Das BfR prüfte deshalb, wie sich mit Hilfe alternativer Methoden, zum Beispiel computergestützter Tests oder in vitro-Verfahren, Tierexperimente im Bereich der Testung von Stoffgemischen vermindern lassen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten beispielsweise Kombinationseffekte verschiedener Substanzen in Leberzellen, um mithilfe aufeinander aufbauender in-vitro-Tests Kombinationswirkungen vorhersagen zu können. Um Tierversuche in der Risikobewertung von Stoffgemischen vollständig zu ersetzen, müsse jedoch weiter geforscht werden, so die Ergebnisse.

Im EuroMix-Projekt, das vom EU-Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizon 2020“ mit 8 Millionen Euro gefördert wurde, kooperierten 26 Institutionen. Die Koordination übernahm das niederländische Institut für öffentliche Gesundheit und Umweltschutz (RIVM). Die Resultate sind auf der Projekt-Webseite www.euromixproject.eu veröffentlicht. Für mögliche Folgeprojekte von EuroMix finden derzeit Gespräche statt.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

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