Aluminium in Antitranspirantien: Geringer Beitrag zur Gesamtaufnahme von Aluminium im Menschen


24/2020, 20.07.2020


Verbraucherinnen und Verbraucher können Aluminiumverbindungen aus unterschiedlichen Quellen aufnehmen, so auch aus aluminiumhaltigen Antitranspirantien. Wie in der BfR-Stellungnahme von 2019 (045/2019) zur Aluminiumaufnahme festgestellt, ist die Gesamtbelastung, die sich durch sämtliche Expositionsquellen ergibt, in einigen Bevölkerungsgruppen zu hoch. Dieser Befund ändert sich auch nicht durch die nun möglich gewordene Neubewertung des Beitrags von Aluminiumchlorohydrat in Antitranspirantien, eine Produktgruppe, die täglich benutzt wird. Deren Beitrag zur Gesamtbelastung mit Aluminium ist deutlich geringer als bisher angenommen. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Risikobewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel: „Durch die Haut wird signifikant weniger Aluminium aufgenommen als auf bislang vorliegender, limitierter Datenbasis berechnet.“ Erstmals hatte das BfR 2014 die Aufnahme über die Haut, d. h. die dermale Aufnahme von Aluminiumsalzen bewertet. „Wir haben damals bereits auf die große wissenschaftliche Unsicherheit der Daten hingewiesen und auf den dringenden Forschungsbedarf aufmerksam gemacht“, so Hensel weiter. Die fehlenden Daten wurden in der Zwischenzeit in zwei weiteren Humanstudien aus den Jahren 2016 und 2019 erhoben. Von denen ermöglichte nur die letztere eine Neubewertung. Somit lagen belastbare Daten erst fünf Jahre nach der BfR-Aufforderung zur Vorlage einer wissenschaftlich belastbaren Hautabsorptionsstudie vor. Hensel: „Unsere aktuelle Risikobewertung zeigt auch in diesem Fall, wie dynamisch der wissenschaftliche Erkenntnisprozess zu bestimmten Fragestellungen sein kann und dass es fortlaufend darum geht, bestehende Unsicherheiten durch das Schließen von Datenlücken zu verringern.“

Zur BfR-Stellungnahme

In Antitranspirantien werden Aluminiumsalze eingesetzt, um den Schweißfluss zu blockieren und die Geruchsbildung zu hemmen. Wie viel des Aluminiums aus Antitranspirantien von der Haut absorbiert wird, war lange Zeit unsicher. Derzeit liegen drei Humanstudien aus den Jahren 2001, 2016 und 2019 zur Aluminiumaufnahme über die Haut (dermalen Absorption bzw. Bioverfügbarkeit) aus Antitranspirantien vor. Alle drei Studien basieren auf der Messung der Aluminiumkonzentration im Blut und/oder Urin. Die wissenschaftliche Aussage sowie wissenschaftliche Relevanz der drei Studien unterscheidet sich erheblich.

Einen belastbaren Wert für die Absorptionsrate/Bioverfügbarkeit liefert nur die Studie aus dem Jahr 2019. Diesen Wert hat das BfR für seine Risikobewertung zugrunde gelegt und daraus die Aufnahmemenge über die Haut in einer Modellrechnung mit dem Ergebnis abgeleitet, dass ein signifikanter Beitrag von Antitranspirantien zur Gesamtbelastung gegenüber Aluminium nach derzeitiger Datenlage unwahrscheinlich ist.

Wer sich grundsätzlich vor einer zu hohen Aluminiumaufnahme schützen will, sollte darauf achten, dass vor allem saure und salzhaltige Lebensmittel und Getränke nicht mit Aluminium in Kontakt kommen, etwa über Trinkflaschen, Backbleche, Grillschalen.

Zu hohe Aluminiumgehalte im Körper können nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand negative Auswirkungen auf das Nervensystem, die Nieren und die Knochen haben.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.



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