Tierpersönlichkeiten: Individuelle und stammesspezifische Unterschiede müssen bei der Planung von Tierversuchen berücksichtigt werden

Während bei vielen Haustierbesitzern der Begriff "Tierpersönlichkeit" sicherlich unwidersprochen bleibt, war eine wissenschaftliche Annäherung an dieses Thema lange Zeit kontrovers. Mittlerweile konnte in Computersimulationsstudien gezeigt werden, dass auch verschiedene Verhaltensvarianten innerhalb einer Population evolutionsstabil vererbt werden können. So haben "mutigere" Tiere zum Beispiel einen frühen Fortpflanzungserfolg, dafür aber auch eine höhere Wahrscheinlichkeit früher zu sterben als ihre "schüchternen" Artgenossen. Insgesamt hat das Forschungsgebiet "Tierpersönlichkeit" in den letzten Jahren einen regen Zulauf erhalten, und zahlreiche Studien legen nahe, dass Persönlichkeitsmerkmale bei den verschiedensten Tierarten zu finden sind. Man spricht allgemein von "Tierpersönlichkeit", wenn eine Beständigkeit der individuellen Verhaltensunterschiede nachweisbar ist. Anschaulich bedeutet dies beispielsweise, dass ein als stark neugierig charakterisiertes Tier zu verschiedenen Lebensphasen immer mit großer Neugier auf eine neue Umgebung, auf neue Sozialpartner oder neue Nahrung reagiert.

Individuelle Unterschiede zwischen genetisch identischen Tieren

Neben den möglichen genetischen Komponenten von "Tierpersönlichkeit" werden zunehmend auch nicht-genetische Faktoren, die zu verschiedenartigen "Persönlichkeitstypen" führen könnten, diskutiert. Auf diese Weise könnten zum Beispiel auch individuelle Unterschiede zwischen genetisch identischen Tieren aus Inzuchtlinien erklärbar werden. Hier hat sich nämlich seit vielen Jahren gezeigt, dass eine deutliche Restvariabilität zwischen genetisch identischen Tieren erhalten bleibt. Unsere Forschungsdaten zeigen, dass sich auch in einer, oberflächlich betrachtet, gleichen Umgebung kleine Unterschiede akkumulieren und zu deutlichen individuellen Unterschieden in Verhalten und neuronaler Plastizität führen. Die Daten über die Entstehung individueller Unterschiede bilden wichtige Grundlagen für eine bessere Übertragbarkeit von Versuchsergebnissen biomedizinischer Forschung auf den Menschen.

Grenzen für die Standardisierbarkeit tierexperimenteller Studien

Die Analyse solcher Daten soll darüber hinaus helfen, Grenzen für die Standardisierbarkeit tierexperimenteller Studien aufzuzeigen und damit zu einer besseren Reproduzierbarkeit von tierexperimentellen Studien führen. In einer aktuellen Studie konnten wir zum Beispiel zeigen, dass die Reproduzierbarkeit von Versuchsergebnissen durch Gewöhnung an die Versuchsapparatur (Habituation) deutlich erhöht wurde. Es zeigte sich, dass die Variabilität in den Daten kein zufälliges Rauschen darstellte, sondern auf stabile "Tierpersönlichkeiten" zurückzuführen war. Individuelle Unterschiede sollten daher zukünftig in die statistischen Modelle zur Auswertung von Versuchsergebnissen mit einbezogen werden.

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