Fragen und Antworten zum ersten bestätigten BSE-Fall bei einer Ziege

Aktualisierte FAQ vom 15. März 2006

Die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte im Januar 2005 den ersten Fall einer natürlichen Infektion mit BSE bei einer Ziege in Frankreich bestätigt.

Im Folgenden hat das BfR Fragen, die dem Institut im Zusammenhang mit BSE bei der Ziege gestellt wurden, beantwortet.

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Wann und wie hat sich die Ziege infiziert und ist das Fleisch in den Handel gelangt?

Die infizierte Ziege wurde in Frankreich im Rahmen des EU-weit vorgeschriebenen Überwachungsprogramms bereits im Jahr 2002 positiv auf TSE (Transmissible Spongiforme Enzephalopathie) getestet. Die französischen Behörden versichern, dass kein Fleisch von diesem Tier und von anderen Tieren dieser Herde in den Handel gelangte. Die gesamte Herde wurde getötet und die Tierkörper unschädlich beseitigt (verbrannt). Der genaue Infektionszeitpunkt war nicht feststellbar. Als Infektionsursache wird die Aufnahme von BSE-kontaminiertem Tierkörpermehl vermutet. Die Ziege wurde vor Inkrafttreten des Tiermehlverfütterungsverbots an lebensmittelliefernde Tiere geboren.

Was bedeutet die Bestätigung von BSE bei Ziegen für den deutschen Verbraucher?

Für den deutschen Verbraucher stellt dieser Fall keine unmittelbare Gefahr dar, zumal bisher keine anderen Fälle bekannt geworden sind. Trotzdem ist eine neue Situation eingetreten: Ging man seit Jahren lediglich theoretisch davon aus, dass BSE-Infektionen unter landwirtschaftlichen Fütterungsbedingungen bei Ziegen vorkommen können, liegt nun die Bestätigung vor, dass eine Infektion unter diesen Bedingungen tatsächlich auftreten kann. Kommende Untersuchungen und Überwachungen werden zeigen, ob mit einem verbreiteten Vorkommen von BSE-Infektionen bei Ziegen gerechnet werden muss. Sollte dies der Fall sein, müsste sich der Verbraucher künftig auf Einschränkungen beim Verzehr von Produkten von Ziegen einstellen. Bisher ist allerdings kein weiterer BSE-Fall bei einer Ziege festgestellt worden.

Wie stellt sich die Situation bei Schafen dar?

Wie Ziegen gehören Schafe zu den kleinen Wiederkäuern und lassen sich experimentell mit BSE infizieren. Alle in Zukunft denkbaren Schutzmaßnahmen müssen daher für Schafe und Ziegen gleichermaßen angewendet werden. Aussagekräftige Vergleichsstudien stehen bisher aus. Eine natürlich vorkommende BSE-Infektion war beim Schaf bisher nicht bekannt. Kürzlich gerieten zwei Schafe aus Frankreich und eins aus Zypern unter BSE-Verdacht. Dieser konnte durch weitergehende Untersuchungen bisher nicht bestätigt werden, die endgültige Abklärung durch den Maustest steht aber noch aus.

Sind Fälle aus Deutschland bekannt?

Nein, bisher sind in Deutschland weder klinische BSE-Fälle bei Schafen und Ziegen noch Fälle aus dem Überwachungsprogramm bekannt.

Wie viele Ziegen (Schafe) werden in Deutschland jährlich geschlachtet?

Nach den Angaben des statistischen Bundesamtes werden in Deutschland jährlich zwischen 15.000 und 20.000 Ziegen sowie rund zwei Millionen Schafe geschlachtet.

Sind Käse, Fleisch und Milch von Ziegen sicher?

Gegen den Verzehr von Milch, Käse und Fleisch von Ziegen aus Deutschland gibt es nach heutigem Kenntnisstand keine Bedenken. Sollte es zu einer Ausbreitung der BSE-Infektionen bei kleinen Wiederkäuern kommen, muss die Sicherheit der von diesen Tieren gewonnenen Produkte neu bewertet werden. Vorbereitende Arbeiten laufen derzeit bei der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Gibt es Unterschiede zu BSE bei Rindern?

Nach den bisherigen Untersuchungsergebnissen breiten sich TSE-Erreger in kleinen Wiederkäuern anders aus als in Rindern. Dies gilt sowohl im Hinblick auf die Verbreitung des Erregers im Tierkörper als auch auf den Zeitpunkt seines Auftretens. Beides gleicht der Ausbreitung von Scrapie-Erregern. Zusätzlich zu den Organen, in denen der Erreger beim Rind nachzuweisen war (spezifizierte  Risikomaterialien, die bei jedem Schlachttier vernichtet werden müssen), kann man den Erreger bei kleinen Wiederkäuern frühzeitig im gesamten Lymphsystem finden. Damit ist anzunehmen, dass von BSE-infizierten kleinen Wiederkäuern ein größeres Risiko für den Verbraucher ausgeht als von BSE-infizierten Rindern.

Werden Ziegen und Schafe bezüglich BSE überwacht?

Ja. Schafe und Ziegen, die über 18 Monate alt sind, werden EU-weit im Rahmen von so genannten Monitoring-Programmen stichprobenweise auf das Vorkommen von TSE (der Gruppe von Krankheiten, zu denen auch BSE oder die Traberkrankheit - Scrapie - zählen) untersucht. In Deutschland wurden im Rahmen dieses Programms zwischen dem Juli 2002 und Februar 2006 mehr als  17.000 Ziegen im Alter von über 18 Monaten getestet. Bei keiner dieser Ziegen wurde TSE festgestellt. Das BfR hält eine Beibehaltung der Tests für erforderlich, um die Basis für die gesundheitliche Risikobewertung zu verbessern.

Welche Sicherheitsmaßnahmen gibt es und was wurde seit dem Bekanntwerden des BSE-Verdachts bei der Ziege unternommen, um den Verbraucherschutz sicherzustellen? Was speziell hat das BfR getan?

Neben den bereits erwähnten Monitoring-Programmen werden seit Jahren vorsorglich Körperteile von kleinen Wiederkäuern, in denen bei einer TSE-Infektion mit einem hohen Erregergehalt zu rechnen ist, bei der Schlachtung als spezifiziertes Risikomaterial (SRM) entnommen und vernichtet. Hierzu gehören bei Schafen und Ziegen aller Altersklassen die Milz und Teile des Darms. Ebenso wird mit dem Schädel einschließlich Gehirn und Augen, mit den Mandeln und dem Rückenmark von Schafen und Ziegen verfahren, die über zwölf Monate alt sind oder bei denen ein bleibender Schneidezahn das Zahnfleisch durchbrochen hat. Das Vorgängerinstitut des BfR, das BgVV, hat bereits im Oktober 2001 Stellungnahmen zum BSE-Risiko von kleinen Wiederkäuern abgegeben und Maßnahmen empfohlen. Diese sind auf den Internet-Seiten des BfR veröffentlicht.


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